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Grenzdurchgangslager Friedland feiert 75jähriges Jubiläum

Grenzdurchgangslager, Friedland, Jubiläum   Bildrechte: picture alliance /ullsteinbild
75 Jahre Grenzdurchgangslager Friedland

Über Friedland kommen seit 1945 mehr als vier Millionen Menschen in die Bundesrepublik. Das Grenzdurchgangslager (GDL) bei Göttingen war Anlaufstelle für Flüchtlinge und Vertriebene nach
dem Zweiten Weltkrieg, für entlassene Kriegsgefangene und Displaced Persons, für Aussiedler*innen und Zufluchtssuchende aus vielen Teilen der Welt. Heute ist es Aufnahmeeinrichtung für Spätaussiedler*innen, jüdische Zuwanderer*innen aus der ehemaligen Sowjetunion, für Asylsuchende sowie für Flüchtlinge im Rahmen von Ressettlement- und humanitären Aufnahmeprogrammen.

Das Grenzdurchgangslager Friedland entstand als Folge des Zweiten Weltkriegs und der millionenfachen Migrationen bei Kriegsende. Die britische Militärregierung veranlasste die Einrichtung von Durchgangslagern, die die vielen Menschen erfassen und kontrolliert weiterleiten sollten. Das Grenzdurchgangslager Friedland nahm am 20. September 1945 den Betrieb auf. In der ersten Zeit trafen vor allem Flüchtlinge, Vertriebene und Ausgewiesene aus den Gebietenöstlich von Oder und Neiße ein. Aber auch im Krieg Evakuierte und aus der westalliierten Gefangenschaft entlassene Kriegsgefangene kehren über das Lager an ihre früheren Wohnorte oder zu ihren Angehörigen in den verschiedenen Besatzungszonen zurück.

Bis 1949 passierten etwa 1,7 Millionen Menschen das Lager. Nur wenige Ankommende bleiben länger als ein oder zwei Tage: von 1949 bis 1952 ist Friedland auch Wohnlager für Displaced Persons; zwischen 1947 und 1951 und erneut zwischen 1960 und 1963 diente es als Auffanglager für allein reisende männliche Jugendliche aus der Sowjetischen Besatzungszone. Überregionale und internationale Bekanntheit erlangte das Lager Friedland durch die Ankunft der letzten deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion in den Jahren 1953/54 und 1955/56. Die so genannte „Heimkehr der Zehntausend“ ist ein bedeutendes Medienereignis der frühen Bundesrepublik. Der Ort Friedland wird ein emotionaler Bezugspunkt für die Hoffnungen und Wünsche Vieler und zugleich eine Bühne für politische Inszenierungen im Kalten Krieg.

Mit der „Operation Link“ beginnt im März 1950 die Aufnahme von Aussiedler*innen. Bis heute wurden über zwei Millionen (Spät-)Aussiedler*innen in Friedland registriert. Wiederholt und vorübergehend finden von Mitte der 1950er bis Ende der 1980er Jahre auch internationale Flüchtlinge Aufnahme im Grenzdurchgangslager. Darunter sind 1956/57 Flüchtlinge aus Ungarn nach der Niederschlagung des dortigen demokratischen Aufstands, 1974 Geflüchtete aus Chile nach dem Putsch gegen die demokratische Regierung Allende und seit 1978 „Boat People“ aus Vietnam. Sie kommen im Rahmen humanitärer Hilfsaktionen in die Bundesrepublik.

Zudem werden Friedland in den 1970er und 1980er Jahren kurzzeitig aufgrund zu geringer Kapazitäten der zuständigen Aufnahmeeinrichtungen Asylsuchende aus verschiedenen Ländern zugewiesen. Mit zurückgehenden Aussiedler*innen-Zahlen veränderte sich das Lager Friedland: Aus der Aufnahmeeinrichtung für Deutsche wird nach und nach eine Einrichtung für Menschen aus Krisengebieten in aller Welt.

Chronik zum 75. Jubiläum des Grenzdurchgangslagers Friedland

Hier steht die Chronik zu 75 Jahre Friedland zum Download zur Verfügung

Fernsehbeiträge zu 75 Jahre Friedland

Zum 75. Jubiläum des Grenzdurchgangslagers Friedland wurden im Fernsehen folgende Beiträge gesendet:

Die Website "Zeitzeugenportal" liefert einen intensiven Einblick in ein Stück deutscher Geschichte

Auf der Seite Zeitzeugenportal kommen Menschen zu Wort, die im Zweiten Weltkrieg Flucht und Vertreibung erlebt haben. Eine sehenswerte Dokumentation menschlicher Geschichte.

Das Grenzdurchgangslager wurde vor allem von den Menschen geprägt, die in den letzten 75 Jahren hier untergebracht waren. Wären alle, die das Lager je passeiert haben, in Friedland geblieben, wäre das Grenzdurchgangslager heute größer als Berlin.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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